Geschichte der Kirche und des Ortes Dannhausen        Home

Auszug aus Band 9 der Schriftenreihe Heimat-Kultur-Geschichte

Herausgeber: Raiffeisenbank Harriehausen eG, 1990

 

 

*  Von der „grauen“ Vorzeit bis zur Refor­mation

*  Von der Reformation bis zum Kaiser­reich

*  Die Kapelle

*  Die Gemeindevorsteher

*  Die Weltkriege

*  Die Besatzungszeit und die Entwicklung bis in die heutige Zeit

 

Von der „grauen“ Vorzeit bis zur Reformation

 

Der Ort Dannhausen gehört seit alters her dem Kirchspiel Harriehausen an und es ist davon auszugehen, dass im Jahre 1007 mit Hachenhausen zusammen eine Begrenzung des Bistums Hildesheim und des Bistums Mainz bestand.

Um 1640 wurde Dannhausen abgetrennt und der Kirche Herrhausen als Filial zugelegt. Für diese Lösung erhielt die Pfarre in Harriehausen, als Entschädigung 6 Morgen Land von der „wüsten Kapelle im Unterdorf Harriehausen“, und Dannhausen blieb noch bis 1644 jährlich an Harriehausen 1 Gulden für „Wein und Oblaten“ schuldig zu zahlen. Beide Orte gehörten zum Gericht Gandersheim.

1545: „Es gehorn in die Pfar aus dem Gerichte Ganders­heim die Dorffer Dandeshausen und Hachenhausen.“

„Dandeshusen ist filia zu Harrihusen im Gerichte Wes­terhofe, hat 6 Morgen lands, vom 9 Morgen 2 h Umbgene 2 und den Vierzeitpfennig. Kirche: 12 Morgen lands, thun 3 Malter korns. Kelch 1. Oppermann: Der Akkermann und Kother, 12 himten rogken Umbgang 1.“

„1544. Gehorn zur Pfarr 14 Mlt. Rogken u. 14 Mlt. habern und das Pfarrecht. Bidarff einer guten Zulage.“

In einer Beschreibung über die Begrenzung des Bistums Hildesheim aus dem Jahre 1007 wird in einer (unechten) Bulle von Papst Agapet III aus dem Jahre 947 der Name Aeterna erwähnt, der auch im Jahre 1205 in einer Auf­stellung des Papstes Innocenz III wiederkehrt. So wie Harriehausen werden auch Dannhausen und Hachenhau­sen um 1000 zum Flenithigau gehört haben und war der südlichste am Schnedezug des Bistums Hildesheim.

In der Grenzlage unserer 3 Dörfer ist auch begründet, dass Harriehausen später zum Retigau, nach dem Reto­berge (Reydburge) genannt, den die Aemter Northeim-Brunstein und Westerhof angehörten, während Dannhau­sen und Hachenhausen dem Stift Gandersheim angehör­ten.

Die Grenzlage ergab, dass Harriehausen auch in die Grenzstreitigkeiten der Bistümer Hildesheim und Mainz in der Mitte des 11. Jahrhunderts um den Besitz des Stiftes Gandersheim einbezogen wurden.

Der Erzbischof Williges von Mainz wollte in Gandersheim die Tochter Sophia von König Otto I 1. 986 im Kloster konsekrieren, welches Recht wiederum der Bischof von Hildesheim für sich beanspruchte. Der Streit endete 1029 mit der Teilung der großen Parochie Gandersheim zwischen Hildesheim und Mainz. Schon 973 hat Harriehausen eine fest um­schlossene Flur (Haringehusa marcha), wie aus einer Urkunde Kaiser Otto II. aus dem gleichen Jahr hervorgeht, mit der er Ländereien aus dieser Flur an das Marienkloster in Gandersheim verleiht.

In den weiten Gebieten des Landes wurden bei der Christianisierung nahe der Dingstätten der Gaue die ersten Taufkirchen errichtet, zu denen die Täuflinge auf beschwerlichen Wegen von weit her kamen.

Die Unsicherheit im Lande wurde durch das Einfallen der Ungarn und Slawen sehr groß. Das gemeindliche Leben be­schränkte sich ausschließlich auf Sonn- und Festtagsgottesdienste, zu denen die Christen aus der Umgebung zusam­men kamen.

Mit fortschreitender Dorfbildung und Rodungen entstanden dann örtliche Christengemeinden, die sich um die Kirche scharten und ihre Häuser und Höfe um die Kirche, die bei uns auf Erhöhungen gebaut wurden, erstellten.

Das Kloster Gandersheim wird auch für Harrriehausen und Dannhausen den Bau der Kirchen gefördert haben, wozu die Verleihung des Zehnten an das Kloster im Jahre 965 durch Bischof Bernward von Halberstadt vorgesehen war. Über die Kirche in Harriehausen behielt sich das Stift Gandersheim das Patronatsrecht vor. Später übten vermutlich die Stiftsher­ren von Gandersheim als belehnte, die Besitzer des Gutes Limmer bei Alfeld an der Leine und die Herren von SöhIendahl das Patronatsrecht aus, deren Ietzter in der Reformationszeit noch katholisch war. Mit Rücksicht auf seinen Vater hat er nach Unterrichtung in der lutherischen Lehre den Übertritt nicht vollzogen, weil dadurch sein Erbe gefährdet war. Als Pat­ron folgten dann die Herren von Stöckheim und die von Goerts-Wrisberg.

Nach dem 30jährigen Krieg blieben die Wüstungen „Schnekenbek“ und „Hasselbek“ zurück, an deren Feldmark auch Dannhausen und Hachenhausen Anteile hatten.

 

 

Von der Reformation bis zum Kaiserreich

 

 

Die vom Schmalkaldischen Bund durchgeführte Reformation blieb ohne wesentliche Folgen. Es wird vielmehr von ihr ge­sagt, dass die Priester „vi et metu“ (durch Gewalt und Furcht) die lutherische Lehre angenommen hätten. 1565 war der Catlenburger Hofprediger Heinrich Rust zum Superinten­denten auch für Westerhof bestellt. Von einem wirklichen Einfluss durch ihn auf die Gemeinden ist aber nichts zu spüren gewesen. Okt./Nov. 1568 findet in Gandersheim auf Veranlassung von Herzog Heinrich von Wolfenbüttel erneut eine Examinierung der „Pharrer“ statt, worüber das Protokoll besagt: „Collat, die von Stockheim - Curt Hane, zu Harrihu­sen Pastor, filial Dandenhusen und Hachenhusen im Ge­richte Gandersheim Tollerebilis, non missificalit“. Die 1570 dem Generalsuperintendenten von Gandersheim Lic.theol. Hermann Hamelmann von den Räten in Wolfenbüttel über­tragenen Visitation im ganzen Gerichte Westerhof wird von Herzog von Grubenhagen 1596 stattfinden und wurde vom Superintendenten in Seesen, Heinrich Dalem, im Auftrage von Herzog Heinrich Julius durchgeführt, dessen Kirchenord­nung bis heute noch für Pastor und Gemeinde gilt.

Namensformen des Dorfes: Im Jahre 1007 Dandanhusi, 1419 und 1543 Dandenhusen, die Behausung bei den Tannen.

Geschichtliches. Der Zehnt gehörte 1007 dem Stifte Gandersheim, dessen Michaeliskapelle ihn 1524 besaß. 1757 hatte die Abtei den Zehnten von 577 Morgen, die von Stapler zu Binder von 117 Morgen; der Rest der 755 Morgen großen Flur war zehntfrei. 1419 besaß das Marienkloster vor Gandersheim eine Rente an einem Meierhofe der von Bodenstein. Die Kapelle war 1524 Filial von Harriehausen, gehörte aber seit dem 17. Jahrhundert (mindestens 1664) nach Herrhausen im Amte Seesen. Das Dorf ist 1706 mit der Kapelle, bis auf 4 Höfe, „glatt abgebrannt“. Gerichtlich war es Zubehör des Amtes Gandersheim.

Die Dorfanlage ist haufenförmig mit der Kapelle ziemlich in der Mitte. Flurkarte 1757 von C.W. Horn. Damals 2 Acker­leute, 2 Halbspänner, 6 Großköter und 6 Kleinköter. Die Gutsherrschaft stand meist dem Kloster Brunshausen zu. Eine Landwehr zog heberabwärts gegen Bilderlahe. Vom St. Johanniskampe gehörte ein großer Teil der Johanniskirche in Gittelde. Einwohnerzahl 1793 - 167 = 1905 284 Seelen.

 

 

Die Kapelle

 

Die Kapelle ist ein rechteckiger, flach gedeckter Saal aus Bruchstein, mit rechteckigem im Norden, Süden und Osten an der Kante gefassten Fenstern, die im Norden und Süden nach unten (ohne Kantenfase) verlängert sind, ein gleiches ohne Fase im Westen und drüber ein querovales Fenster. Rundbogige Tür in Stichbogennische nordwärts, die Flügel aus rau­tenförmig gelegten und mit starken eisernen Nieten beschlagenem Rahmen. Walmdach über Holzgesims, gedeckt mit modernen schwarzen Ziegeln, auf dem First achtseitiger, mit Schiefer gedeckter Dachreiter unter wälscher Haube. In der Wetterfahne ein Lamm mit Siegesfahne über der Zahl 1706. Im Inneren ringsum ein auf eine spätere (wohl von 1706) deu­tender Mauerabsatz. Neben der Südostecke viereckige Kännchennische, woraus folgt, dass der Bau im Kern noch aus vorreformatorischer Zeit stammt. Empore von jeder Schmalwand, im Osten mit dreiseitig herausgebauter Kanzel.

Das Nordfenster hat eine 16 cm hohe Scheibe mit Schwarzmalerei: Wappen mit Taube, die ein Ölblatt trägt, darunter in Antiqua: Dieses Fenster hat H. Conradt Wiechmann zu der Ehre Gottes der Kirche verehret. 1706.

Volkszählung von 1895 hat Dannhausen 314 Einwohner (65 Haushaltun­gen, 51 Wohnhäuser). Die Wohnhäuser befinden sich in guterhaltenem baulichen Zustand. Eine frühere Feuersbrunst, wahrscheinlich in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts, ist vielleicht die Ursache dazu. Von einer noch früheren Feuersbrunst (1706?) schreibt ein damaliger Schulmeister Joh. Fr. Münich: „Den 8 ten März 1784 morgens 7 Uhr entstand alhier eine große Feuersbrunst, und lagen den Nachmittag um 4 Uhr 17 Wohn-Häuser, 10 Scheunen und 7 Schuppen in der Asche.

Die Kirche hat auch gebrannt, ist aber durch Gottes Hilfe noch gerettet worden.“ Die Brandspuren haben wir nach fast 200 Jahren an den verkohl­ten Windlatten des Daches wahrgenommen.

Im Jahre 1879 wurde die Kapelle restauriert und auch mit einer von der Firma Richter in Braunschweig gelieferten Orgel (pneumatisch) ausgestattet. Eine neue Uhr wurde im Februar 1898 von der Firma J. F. Weule in Bockenem bezogen.

Der jetzige Prediger des Dorfes ist Adolf Keck aus Herrhausen, 31 Jahre alt, gebürtig aus Helmstedt, der der sehr liberalen theologischen Richtung angehörig.

 

Der Lehrer ist Rudolf Greiffenhagen, 32 Jahre alt, gebürtig aus Warburg. Die Schule Nro. ass. 30 wird besucht von 47 Kindern.

 

 

Die Gemeindevorsteher

 

Der Gemeinde-Vorsteher ist der Ackermann Friedrich Röttger, welcher dieses Amt schon 19 Jahre versieht, zugleich auch Abgeordneter der 7. Landessynode ist. Ihm stehen 9 Gemeinderatsmitglieder zur Seite.

 

1.

Ackermann

Heinrich

Probst

2.

Ackermann

Christian

Brinkmann

3.

Halbspänner

Wilhelm

Schlüter

4.

Kothsaß

Karl

Ritter

5.

Kothsaß

Wilhelm

Armgard

6.

Kothsaß

Wilhelm

Uhde (Hof Nr. 6)

7.

Brinksitzer und Tischler

Ferdinand

Duerkop

8.

Anbauer und Schmied

Wilhelm

Schlüter

9.

Häusling und Rentier

Wilhelm

Schaper

 

Der Gemeindediener und Nachtwächter ist Altvater Friedrich Bartels. Die Einwohner Dannhausens beschäftigen sich zum größten Teil mit Landwirtschaft, doch wird die Lage derselben immer misslicher durch den Mangel an Arbeitskräften, da sehr viele Einwohner als Bauhandwerker in Seesen und Gandersheim ihren Erwerb finden, und auch gerade in letzter Zeit sich manche in Cigarettenfabriken dieser Städte Arbeit suchen. Im Wausterberg befindet sich eine Kalkbrennerei, die guten Absatz hat. Das Leben in der Gemeinde wird durch Eintracht der Bewohner zu einem angenehmen.

 

Abschrift einer Rechnung über gefertigte Schlosserarbeiten für die Kirche zu Dannhausen vom 7. Mai 1898 von Fr. Grimme, Schlossermeister, Gandersheim.

„Eine Turmfahne gemacht, starke Helmstange und großer Kupferner Kopf mit Hülse incl. Anstrich und Vergoldung (105,00 Mark)

Eine Bleibüchse zum Aufbewahren der Urkunde (1,00 Mark); Summa 106,- Mark

 

Bemerke, dass das Fahnenblatt der alten Fahne wieder genommen, dasselbe stammt aus dem Jahre 1706. Das Blatt ist aber, weil zu unegal, nachgearbeitet. Fritz Grimme geb. 19/1. 1841. Anstrich und Vergoldung ist von meinem Nachbar, Malermeister Karl Hille, gemacht worden.

Die Fahnen für die Kirchen zu Engelade, Kirchberg, Seboldshausen, Sebexen, Gehrenrode, Gremsheim, Kreiensen, Ammensen und die St. Georgskirche zu Gandersheim (die große Fahne) sind von mir auch gefertigt worden.

 

Bemerke, dass das kleine Stückchen Holz von der Bank herrührt, auf welcher Dr. Martin Luther gesessen, als er auf der Wartburg die Bibel übersetzte. Im Jahre 1888 hat ein Vetter von mir, welcher aus Amerika zu Besuch hier war und die Wartburg besuchte, in einem unbewachten Augenblick ein Stückchen Holz abgeschnitten und mir dieses kleine Stück­chen davon ben. Zum Andenken an den großen Dr. Martin Luther, habe ich dasselbe mit in diese Büchse gesteckt. Mein Vetter stammte aus Echte und war wohnhaft in Detroit/Michigan Nordamerika. (Name war Hermann Knorr)

 

Auch den einliegenden alten Pfennig, welcher beim Graben im Lande gefunden, habe ich hinein gethan, derselbe stammt aus dem Jahre 1752 und ist heute gefunden worden, habe ich auch den neuen Pfennig vom Jahre 1898 hinein gethan.

 

Gandersheim, d. 5. Mai 1898

 Fr. Grimme.

 

 

Inhalt der jetzigen Kapsel

 

 

Dannhausen, den 29. Juni 1955

 

Die Kapelle unserer Gemeinde Dannhausen bedarf einer durchgreifenden Reparatur in ihrem Umfang auf etwa 10.000 bis 12.000 Mark beläuft. Da augenblick­lich dieser zur Verfügung steht, ist geplant, die wich­tigsten Arbeiten (Dachdecker, Maurerarbeiten und die Reparatur der Orgel) im Jahre 1955 durchzuführen. Diese Arbeiten kosten rund 6.000 Mark. Das Landes­kirchenamt in Wolfenbüttel hat sich bereiterklärt, die Finanzierung zu übernehmen.

Bei der Reparatur des Kirchturmdaches durch den Dachdeckermeister Willi Uhde, Ackenhausen, wurde in der Kuppel unterhalb der Wetterfahne eine Bleikap­sel gefunden, deren Inhalt unter anderen eine Ortsbe­schreibung des Dorfes Dannhausen aus dem Jahre 1898 enthielt. Nach Einsicht dieses Schriftstückes durch den Kirchen und Gemeinderat halten es die Verwaltungsstellen für ihre Pflicht, den alten Bericht durch Aufzeichnungen aus der heutigen Zeit zu ergän­zen.

 

 

Die Weltkriege

 

Nach einer langen gesegneten Friedenszeit griff der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 auch mit harter Hand in das ar­beitsame Leben unseres Dorfes ein. 44 Männer folgten dem Ruf des Vaterlandes und nahmen an den Kämpfen an allen Fronten teil. 13 von ihnen blieben auf dem Felde der Ehre. Alle anderen kehrten in ihr Heimatdorf zurück. Viele hatten er­litten. Einige Kriegsteilnehmer mussten noch mehrere Jahre in der Gefangenschaft zu bringen.

Die Nachkriegszeit wirkte sich im Wirtschaftsleben des Ortes besonders durch die Inflation (Geldentwertung) aus. Von Tag zu Tag sank der Wert des Geldes und der Sparguthaben. Der Tiefstand dieser Entwertung wurde im Herbst 1923 er­reicht. Der Umstellungswert ergab eine Billion = eine Goldmark. Nach dieser Festigung der deutschen Währung normali­sierte sich das Wirtschaftsleben wieder. Der Tauschhandel hörte auf und jeder konnte für sein verdientes Geld kaufen, was er benötigte. Die Zeit von 1929 bis 1933 zeigte ein ständiges Absinken im Wirtschaftsleben, das sich in einem großen Geldmangel, in sinkenden Preisen und in einer starken Arbeitslosigkeit bemerkbar machte. Deutlich sichtbar wird diese Tatsache bei der Betrachtung der damaligen Schweinepreise. Sie fielen von 67 Reichsmark bis auf 26 Reichsmark (Zentner).

Die sich daraus entwickelnde wirtschaftliche Notlage ergriff auch weite Kreise unseres Dorfes und brachte Unsicherheit in das tägliche Leben der Bewohner. Sie alle suchten Befreiung aus der Notlage durch Anschluss an die in jener Zeit auf­kommende Bewegung des Nationalsozialismus. !

Nach der Machtübernahme der Staatsgewalt durch den Nationalsozialismus macht sich wieder ein allgemeiner wirt­schaftlicher Aufschwung bemerkbar. Bemerkenswerte Ereignisse haben sich während dieser Zeit im dörflichen Leben nicht ereignet.

Der September des Jahres 1939 brachte dann den Beginn des Zweiten Weltkrieges, der auch für das Dorf in der Folge­zeit eine Anzahl schwerwiegender Ereignisse mit sich brachte. In den Wintermonaten des Jahres 1939140 beherbergte unser Ort Soldaten eines österreichischen Regiments, die bereits den Polenfeldzug mitgemacht hatten (September 1939).

lm darauffolgenden Winter (1940/41), nach Beendigung des Frankreichfeldzuges, waren mecklenburgische Infanteristen hier einquartiert. Das Verhältnis der Soldaten zur Einwohnerschaft war sehr herzlich. Außerdem fand eine große Anzahl evakuierter Menschen aus der Verteidigungszone im Westen (Westwall) bis zum Beginn der Offensive gegen Frankreich bei den Dannhäuser Familien Unterkunft. Als sich dann im Laufe des Krieges die feindlichen Bombenangriffe im Raum Hannover - Braunschweig verstärkten, fanden viele Familien, deren Wohnungen ein Opfer der Bomben geworden waren, Schutz und Zuflucht in der Gemeinde.

Selbst zehn Jahre nach Kriegsende befinden sich noch einige dieser Familien in unserem Ort.

Das Kriegsende 1945 hätte auch für Dannhausen eine Katastrophe werden können. Nach dem Willen militäri­scher und politischer Führungsstellen sollte der Ort ge­gen das Vordringen amerikanischer Einheiten verteidigt werden. Alle noch anwesenden männlichen Einwohner, auch ältere Jahrgänge, sollten bei mangelhafter Bewaff­nung Widerstand leisten. Gegen dieses sinnlose Treiben wehrten sich einzelne beherzte Männer und konnten damit für Dannhausen das Allerschlimmste abwenden. Am 14. April 1945 durchfuhren feindliche Panzer den Ort und besetzten ihn. Lediglich auf dem Wausterberg kam es noch zu Kampfhandlungen, bei denen ein deutscher Soldat fiel. In dieser Zeit brachten besonders die fremd­ländischen Arbeiter und die Kriegsgefangenen viel Unruhe unter die Bevölkerung. Im Laufe der Kriegsjahre waren von der eingesessenen Bevölkerung 50 Männer zum Kriegsdienst eingezogen. 13 von ihnen ruhen in fremder Erde. Von den Überlebenden musste ein großer Teil noch mehrere Jahre in quälender Kriegsgefangenschaft zubringen. Die letzten Kriegsteilnehmer trafen 1950 hier ein.

 

 

 

Die Besatzungszeit und die Entwicklung bis in die heutige Zeit

 

In der Zeit vom Frühjahr bis zum Herbst 1946 suchten wiederum viele Familien in unserer Gemeinde Unterkunft. Sie waren entweder vor den eindringenden Feinden geflohen oder später aus ihrer Heimat im Osten vertrieben worden. Durch das Einströmen der Ostflüchtlinge in unser Dorf wurde die Einwohnerzahl beträchtlich erhöht. Sie stieg vorübergehend auf 600 Personen an. Demgegenüber betrug die Bevölkerungszahl vor dem Zweiten Weltkrieg 280 Köpfe. Diese Zahlen las­sen erkennen, wie übervölkert der Ort Dannhausen war. In diesen Jahren war Wohnraum sehr knapp. Jeder Raum, ob für Wohnzwecke geeignet oder nicht, wurde belegt, um die vielen Ostflüchtlinge unterzubringen. Oft war ein solcher Raum nicht einmal beheizbar, teilweise fehlte die Beleuchtung. Diese obdachlosen Menschen besaßen zumeist auch nicht die allernotwendigsten Dinge für das tägliche Leben (Hausrat, Kleidung, Wäsche und so weiter). .

Hier versuchten die Einheimischen aus eigenen Mitteln, die Not der Vertriebenen zu lindern.

Die Nachkriegszeit brachte auch wiederum eine allgemeine wirtschaftliche Notlage  mit sich.

Viele Wirtschaftsunternehmen lagen still beziehungsweise waren sie durch Kriegseinwirkungen zerstört. Industriebe­triebe, die den Krieg überstanden hatten, wurden durch die Besatzungsmächte de­montiert. Das bedeutete für viele Menschen den Verlust des Arbeitsplatzes und damit Ausfall des Verdienstes, für die Allgemein­heit Mangel an Gebrauchsgütern des tägli­chen Bedarfs. Die Sicherung der Ernährung war nur durch Rationierung (Lebensmittel­karten) möglich. Die immer größer wer­dende Verknappung der Bedarfsgüter des täglichen Lebens brachte zum Teil einen recht schwunghaften Schwarzhandel mit sich.

Der größte Teil der Menschen in Deutschland lebte unter dem Druck dieser Notzeit und ersehnte sich normale Verhält­nisse. Sie setzten allmählich ein, als die Währungsreform kam (20. Juni 1948). Das gesamte deutsche Geld, welches sich im Umlauf befand, wurde eingezogen. Jeder Einwohner erhielt wie überall in Deutschland pro Person ein Kopfgeld von 40 Deutsche Mark(DM West!). Mit diesem Betrag begann ein jeder Einwohner neu zu wirtschaften. Wenn wir in diesem Augenblick erkannten, wie arm wir geworden waren, so stieg in unseren Herzen jedoch die Hoffnung auf, dass nunmehr langsam aber stetig sich ein normales Wirtschaftsleben anbahnte. Und so ging ein jeder mit neuem Mut und Vertrauen an seine Arbeit. Das Wunder blieb nicht aus. Fleiß, Zähigkeit und Ausdauer schufen nach 1948 das große "deutsche Wirtschaftswunder“ , das in der ganzen Welt bestaunt und geachtet wurde. Auch in unserem Dorf zeigte sich bald der langsame aber stetige Wirtschaftsaufstieg. Er hatte zur Folge:

1.       Technisierung und Motorisierung der Landwirtschaft. Zur Zeit befinden sich im Ort 15 Achsschlepper gegenüber nur dreien während des Krieges. In zunehmendem Maße werden auch Melkmaschinen, Heu- und Strohgebläse und andere technische Geräte angeschafft. Sie alle dienen der Erleichterung der Landarbeit und füllen die Lücke der feh­lenden Arbeitskräfte.

2.       Der wirtschaftliche Aufschwung hat weiter zur Folge, dass ein Teil der vertriebenen Bevölkerung in Gebiete abwan­dert, wo größere Arbeitsmöglichkeiten bestehen, und so sinkt allmählich die Einwohnerzahl. Zur Zeit zählt Dannhau­sen "nur" noch 431 Seelen. Ein Teil der Bewohner findet nun auch Beschäftigung in den Städten Gandersheim und Seesen, sei es in der Metallindustrie oder im Bauhandwerk. Die Anfahrt erfolgt zu diesen Plätzen mit dem Autobus. Ein großer Teil der Beschäftigten hat aber in der letzten Zeit bereits motorisiert. Besondere Beliebtheit findet das Leichtmotorrad (Moped genannt).

Um der noch bestehenden Wohnungsnot entgegenzutreten, wurden im Jahre 1954/55 sieben, Siedlungshäuser gebaut. Weiterhin haben einige Einwohner auch aus eigenem Entschluss einen Neubau errichtet, um sich annehmbare Wohn­räume zu schaffen. Auch mehrere alte Grundstücke sind inzwischen in den Besitz von Neubürgern übergegangen.

Weiterhin bleibt erwähnenswert, dass bei der Teilaufsiedlung der Domäne Bilderlahme im Jahre 1953/54 Landwirte unse­rer Gemeinde Land erwerben konnten. Vorwiegend wurden solche Betriebe berücksichtigt, die noch keine volle Ackernah­rung hatten. Insgesamt wurden von Dannhäuser Betrieben 30 Hektar Ackerland erworben. Auch die Gemeinde selbst konnte ein Teilstück von drei Hektar kaufen. Die Ländereien waren allerdings bereits seit30Jahren pachtweise in der Be­wirtschaftung von Dannhäuser Bauern.

Der derzeitige Gemeinderat setzte sich aus folgenden Bürgern unserer Gemeinde zusammen:

1. Bauer Heinz Ulrich, Bürgermeister.

2. Bauer Fritz Steiner, stellvertretender Bürgermeister. .

3. Altbauer Willi Uhde, Ratsherr und Mitglied des Landkreistages

4. Bauer Kurt Schluter, Ratsherr.

5. Verwaltungsangestellter Josef Winkler, Ratsherr.

6. Metallarbeiter Heinrich Keilholz, Ratsherr.

7. Metallarbeiter Helmut Appel, Ratsherr.

 

 

 

Bibelzitate (siehe Quiz):
Bittet, so wird euch gegeben;
Suchet, so werdet ihr finden;
klopfet an, so wird euch aufgetan.
(Matthäus 7,7)