Geschichte der Kirche Herrhausen                                      Home

Auszüge aus der Dorfchronik: Herrhausen - ein Dorf im Wandel der Zeit

von Torsten Warnecke

 

*  Die Sankt-Georg-Kirche

*  Von den Pastoren

*  Das Pfarrhaus

*  Das Pfarrwitwenhaus

*  Der Kirchenvorstand und die Bediensteten

 

 

Die Sankt-Georg-Kirche

 

Unsere Kirche ist nach dem heiligen Georg, einem römischen Offizier und Märtyrer, benannt worden. St. Georg wird dargestellt als drachentötender Ritter zu Pferd und war der Schutzpatron der Ritter und Landsknechte.

Das Datum für den Bau der ersten Kirche ist unbekannt. Sie war wahrscheinlich kleiner als die heutige und ebenfalls aus Stein gebaut, vielleicht hatte sie schon vor 1542 als Kapelle gedient (in diesem Jahr wurde, wie schon erwähnt, der erste Pastor eingeführt).

 

 

In den Wirren des 30-jährigen Krieges wurde das Bauwerk wahrscheinlich durch ein Feuer zerstört. Im Corpus Bonorum von 1746 steht hierüber zu lesen: „... Anno 1630 ist daß Pfarrhaus abgebrandtt, ob Sie aber gäntzlich abgebrandt ist, läßet sich aus denen Vorhandenen Nachrichten nicht gewiß beweisen.“

Pastor Henricus Meyer schreibt 1652 hierzu: „Das Pfarrhaus allhie zu Herrhausen ist in diesen Kriegsjahren gantz von den kayserlichen Drostischen Regiment, neben anderen Häusern gantz abgebrandt ... Die Kirche betreffend ist (..) ein altes geringes Verfallenes Steinhäufigen gewesen.“

Die Frage ist jetzt, ob dieser Bericht ganz objektiv gewesen ist, denn der Pastor musste ja einen Neubau als notwendig erscheinen lassen. Man darf auch nicht vergessen, dass 22 Jahre seit der schweren Beschädigung oder Zerstörung der Kirche vergangen waren und Henricus Meyer nur noch die Überreste bei seinem Amtsantritt gesehen hatte.

Von der alten Kirche zeugt heute nur noch die Kirchenglocke, die 1879 von dem damaligen Pastor Zerbst an das Herzogl. Museum in Braunschweig verkauft wurde. Sie befindet sich im Archiv des Braunschweigischen Landesmuseums und ist gesprungen (vielleicht auf Grund des damaligen Verkaufes). An ihrem Hals steht in Antiqua folgende Inschrift: „M Eredick Bilefeld heft dusse Klicken goten im Jar M D L X X X L.“ Nach der Inventarliste des Museums ist die Glocke 35,5 cm hoch (ohne Krone) und hat einen Durchmesser von 57 cm. Es wird angenommen, dass das „M“ für den Meistertitel steht, das Alter wird mit dem Jahr 1580 oder 1581 angegeben.

Die Tatsache, dass diese Glocke noch existiert, spricht gegen eine totale Zerstörung der Kirche im 30-jährigen Krieg, denn sie hätte so etwas wahrscheinlich nicht überstanden. Sie ist wahrscheinlich auch erst später gesprungen, denn sonst hätte man sie bestimmt nicht mehr an der neuen Kirche angebracht und dann noch 227 Jahre lang – an den verschiedenen Standorten – genutzt!

Da sich der Wiederaufbau, sprich die Reparatur der alten Kirche anscheinend nicht mehr lohnte, wurde sie abgetragen. Man begann wahrscheinlich an derselben Stelle mit dem Bau unserer heutigen Kirche.

Der Obrist Johann von Koch war Hauptförderer des Neubaus. Sein und das Wappen seiner Gattin zieren noch heute den seitlichen Eingang unserer Kirche. Dazu steht geschrieben: Anno 1651 und 62 ist diese Kirche erbauet und dazu enfaveur des Obristen Johann Koch welcher diesen Bau Christ eifrigst fortgesetzet von nach gesetzten hohen Personen verehret und derselbe von sich zur Ehr Gottes verehret wie folget:

Ihro Königl. Majestedt aus Schweden Carol Gustaf

50

Hiro Khurfürstl. Durchl. zu Brandenb. Friedrich Wilhelm

30

Dero Fr. Mutter

10

Der Schwedische Herr Feld Marschall Wittenberg

20

Herr General Steinbock

4

Herr General Königsmarck

3

Herr Resident Erschin

4

Unterschiedene Obristen und andere Offiziere

63

Aus dem Kirchen Vorraht und Armen Kasten

57

Der Obriste Johann Koch von Herrhausen

 

mit Patronus der Kirche von den seinigen

520

Summa

761 Gulden

Womit diese Kirche ohne die geringste beysteuer der Einwohner alhier erbauet, doch haben dieselbe mit Handlangungen und beyschaffung der Materialien mehrentheils fleißig geholfen sonderlich welche Pferde haben dann des Obristen Verwalter Christoph Diederich welcher den Bau sehr sorgfältig befordert, und die Arbeiter belohnet und Rechnungen ohne wergolten geführet.

Die Kirche selbst ist nach Osten ausgerichtet, aus solidem Bruchsteinmauerwerk mit insgesamt sieben Fenstern (im Süden 4, im Norden 3), und war mit Sollinger Steinen gedeckt.

Eine Tür im oberen Teil der Nordwand führte auf die Gutsherrenprieche, die über eine Außentreppe erreichbar war. Der Altar war, „von Bildhauerarbeit, worunter einige biblische Historien“. Die Kanzel stand an der Südwand, darunter befand sich der Taufstein. Unter dem Ostteil befindet sich das Grabgewölbe der Kochschen Familie.

1652 besaß die Kirche „zwo Klocken eine mittlere (..) und eine kleine klocke“. Sie hingen frei am westlichen Giebel. Einen eigenen Kirchturm gab es noch nicht.

Die Ausstattung der Kirche war sehr dürftig: „Bey beiden (Engelade) Kirchen ist die fürst. Br. Lüneb. Kirchenordnung, und bey hiesiger die fürst. Harmonie wie auch das Evangelienbuch in quarto, beym Filia ist die Harmonie ist 80 ... sonst ist von Büchern bey beyden Kirchen nichts vorhanden. Die Ohiandische Bibel ist hier noch nicht gekaufet und weil diese Kirche gar arm ist, solch Buch auch nicht bezahlen kann.“

Ein hölzerner Opferstock von 1645, ein Abendmahlskelch mit Deckel und eine Oblatenschüssel, beides aus Silber, ein weißes Altarlaken, der Klingelbeutel und ein grünseidenes Tuch für den Taufstein vervollständigten die Ausstattung.

Der Kelch trägt folgende Inschrift: I(ohann) K(och) V(on) H(errhausen) O(berster) M(arie) S(chwarzkoppen).

1658 wurde aus Anlas der Erhebung der Familie Koch in den Adelsstand eine Glocke gestiftet. Sie trug folgende Inschriften:

Am Hals – „Psalm 95, Kompt, lasset uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.“

An der Seite, neben einer Figur Christi – „Anno 1658 wird für Beförderung des Woll Edlen und gestrengen Herrn Obersten Johann Kochs, Erbgesessen zu Herrhausen und Zulage der ganzen Gemeinde daselbst diese Glocke zur Ehre Gottes in Wolfenbüttel gegossen.“

Am Rand – „Heise Meyer goß mich zu Wolfenbüttel“

1663 wurde in der Kirche der Rezess zwischen der Gemeinde und den von Kochs aufgehängt (es gab nach dem Bau einen Rechtsstreit um das Patronatsrecht und den Kirchenbau).

Um 1670 stiftete die Familie von Koch einen neuen Taufstein, auf dem die Stifternamen des Johann von Koch und seiner Ehefrau, der geborenen von Schwarzkopf, eingemeißelt waren. 1684 stiftete Anna Röhren eine Taufschale aus Messing, die man wahrscheinlich auf das Taufbecken setzte. Da der alte Taufstein nicht mehr vorhanden ist, wird diese Schale heute als Taufbecken verwendet.

1708 erhielt die Kirche eine Uhr. Das Aufziehen der Seilzüge und das Schlagen der „Betglocke“ übernahm der Cantor bzw. der Schullehrer. Dafür wurde ihm 1 Morgen Ackerland an der Nette überlassen, genannt der „Uhrmorgen“. Zwei der alten Gewichte für die Seilzüge befinden sich heute noch auf dem Dachboden unserer Kirche.

1710 schenkte Anton Ferdinand von Koch der Kirche eine Orgel samt Prieche, die von dem Wolfenbütteler Hoforgelmacher Gräfen erbaut wurde. Diese Schenkung hatte einen Wert von 100 Reichsthalern. Die Orgel hatte 5 Stimmen und wurde mit 2 Bälgen betrieben.

1711 wurde das „hiesige neben dem westlichen Giebel des Kirchengebäudes isoliert stehende Glockenhaus“ erbaut. In diesem Glockenhaus hing aber nur die große Kochsche Glocke, die andere war „in einem oben auf der Kirche gemachten Glockenstuhl vor dem Giebel nach Abend“, der 1711 erneuert wurde.

Um 1740 gab es in der Kirche drei Priechen, “als erstlich die Adeliche Prieche, so mit Fenstern versehen sie ist an der Mitternachtlichen Seite, die andere Prieche auf welche die jungen Mannesleute gehen, ist an der Seite nach Abend, und über dieser ist die 3‘te diese ist Anno 1710 gebauet worden auf welcher die Orgel stehet ... die Adeliche Prieche mit dem Vorhaus und Treppe wird von dem Adelichen Haus in Bau und beßerung erhalten ...“. Ob die letzten beiden Priechen gleichzeitig gebaut wurden oder die zweite schon seit dem Kirchenbau vorhanden war, ist nicht mehr festzustellen.

Über die Einrichtung wird berichtet:

„.... die Manners Stühle in der Kirche sind in einem Guten Stande ... Frauens Stühle sind gleichfalls noch in guten Stande ... zur rechten Seite des Altars ist ein Stuhl vor die Altaristen, gleich daran ist der Beichtstuhl mit Gittern versehen, aus diesen gehet die Treppe nach der Kanzel herauf“.

1742 wurde der Kirchhof auf herzogliche Anordnung mit einer Mauer umgeben. Sie war wahrscheinlich mannshoch, denn es werden drei Tore erwähnt, durch die man auf diesen gelangen konnte, „eines hiervon gehet nach dem Adelichen Hofe von diesen Thor biß an die Thür nach der Adelichen Prieche gehet ein Steinweg über den Kirchhof, auf diesen dürfen keine Todten begraben werden

1799 wurde die Kirchenorgel „fast gäntzlich erneuert“, aber schon 1822 musste sie von dem Orgelbauer Bentrath repariert werden, „da sie schon seit einiger zeit nicht gespielt werden kann“. 1846 aber meldet der Cantor Christina Benecke erneut: „Die hiesige Kirchenorgel ist seit einigen Wochen gäntzlich verstummet“.

1801 wurde unser heutiger Altarbau errichtet - nach Seesener Vorbild. (Beide Altäre wurden nach schwedischem Muster erbaut).

1805 meldet der damalige Pastor Wilhelm Meyer über den Zustand des Glockenhauses: „... Glockenhaus zu Herrhausen völlig abgängig ...“

1849 schlug dann Pastor Jenner Alarm: „... falls daran nicht noch in diesem Jahre einige längst beabsichtigte Ausbesserungen vorgenommen werden, daß darin befindliche Holzwerk, besonder der Glockenstuhl in Folge des von allen Seiten eindringenden Regen zerstört wird.“ Im April 1849 wurde daraufhin der Glockenstuhl von dem Seesener Maurermeister Eisenächer ausgebessert.

Ab dem Herbst 1862 begann die Gemeinde Herrhausen mit der Restauration der Kirche. Der damalige Pastor Ziegeler schrieb an das herzogliche Consistorium nachfolgenden leicht gekürzten Bericht: „... Nachdem der hiesige Gemeinderathe auf Antrag des Kirchenvorstandes die Gelder zu dem Ausbau der hiesigen Kirche und zum Ankauf einer neuen Orgel verwilligt worden waren, wurde der Anfang mit dem Ausbau bereits im Herbst 1862 in der Weise gemacht, daß die 7 Fenster in hiesiger Kirche, jedes um 4 Fuß, vertieft wurden. Dadurch erreichten wir, daß die Kirche unter allen Umständen mehr als genügend Licht hat ... Den Sommer 1863 wurde von Juli bis (..) December der Hausanbau vorgenommen und im Herbste zugleich die von dem Orgelbaumeister Engelhard zu Herzberg angefertigte neue Orgel aufgestellt. Kirche und Orgel wurden bis auf den Anstrich vollendet, so daß der Gottesdienst welcher seit Juli entsagt werden mußte, am Sonntage von Weihnachten wieder beginnen konnte und von da an ununterbrochen bis zum September 1864 verrichtet wurde. Im September 1864 nun wurde die Kirche und Orgel vermalet, wodurch wieder eine Unterbrechung des Gottesdienstes von 6 Wochen statt fand. Bis auf den Altar ist das Innere der Kirche vom Grunde bis zum Dache erneuert und außerdem eine neue Hausthür in den westlichen Giebel der Kirche durchgebrochen worden. Während früher der Aufgang nach der einen vorhandenen (Tür?) von außen durch eine an die Kirche angelegte Treppen führt, führen jetzt im Inneren der Kirche zwei gegen das Innere derselben verdrehte Treppen zu der in Hufeisenform errichteten Priechen. Dieselben ersetzten durch ihre Vergrößerung und Einrichtung vollkommen den durch die Treppen eingenommenen Raum. - Was die Zweckmäßigkeit, Schönheit und Solidität der ganzen Ausführung betrifft, so überlaße ich darüber das Urteil vertrauensvoll allen Sachverständigen.

Die Restaurierung bzw. der teilweise Neuausbau kostete 4.979,64 Reichsmark.

Die Kirche war zwar jetzt in einem tadellosen Zustand, und die Sitzbänke waren auch noch nagelneu, aber unsere streitbaren Herrhäuser konnten sich nun nicht über die neue Sitzordnung einig werden. 1866 kam es zu einer schlichtenden Regelung, und zwar mit Hilfe des herzoglichen Consistoriums. Darin wurde für jede Sitzbank und jeden Platz ein Sitzplan erstellt, wobei der jeweilige Platz namentlich zugeteilt wurde. Den ganzen Sitzplan hier ungekürzt aufzuführen, sprengt leider den Rahmen, aber als Beispiel möchte ich die Einteilung einer Sitzbank wiedergeben:

Erste Steuerklasse. Erste Bank auf der Prieche-Westseite.

1. Großköther

Gastwirt K. Keil jetzt K. Weinhausen

2. Großköther

Heinr. Millies

3. Großköther

Friedr. Edler

4. Großköther

Zacharias Reinecke

5. Großköther

Andr. Isebeck

6. Großköther

Friedr. Reinecke

7. Großköther

Zachar. Kelb

8. Großköther

Christian Rose

(Friedrich Garburg)

 

Söhne über 20 Jahre sitzen auf den Plätzen der Hausbesitzer, wenn Plätze frei. Sohne über 16 Jahren auf der freien Bank auf dem Chor.

Die Männer saßen also auf der neuen Prieche nach Steuerklassen geordnet, während die Frauen und die Mädchen - genauso geordnet - unten in der Kirche saßen.

Der Prediger hatte seinen Sitzplatz - von der Eingangstür aus gesehen - an der linken Seite des Altars, neben der Pastorentür. Ihm gegenüber saß der Kirchenvorstand auf der rechten Seite des Altars. Vor diesem saßen die Schulknaben und daneben die konfirmierten Knaben. Man merkt, die Gleichberechtigung der Frau war noch in weiter Ferne!

1878 oder 1879 wurde das alte freistehende Glockenhaus abgerissen und dafür 1879 unser heutiger massiver Kirchturm gebaut. Entworfen wurde er vom Braunschweiger Baurat Wiehe, überwacht wurde der Bau vom Gandersheimer Baumeister Siburg. Die Arbeiten wurden vom Kirchenvorstand und vom Gemeinderat vergeben. Die Maurerarbeiten übernahm der ehemalige Herrhäuser Amtsmaurermeister Warnecke, die Zimmerarbeit der Amtszimmermeister Knopp aus Seesen, die Dachdeckerarbeit der Dachdeckermeister Schönefeld aus Gandersheim, das eisen wurde vom Herrhäuser Schmiedemeister Specht, die Tür vom Tischler Brand und die Treppen vom Tischler Beyer angefertigt. Der Turm wurde nach einem Artikel im Seesener Beobachter (1954) im Herbst 1880 eingeweiht. Er kostete etwas über 9.500 Mark.

Zwei neue Glocken wurden von den Gebrüdern Ulrich in Apolda gekauft, die zwei alten verkauft. Die älteste kam - wie schon erwähnt - in das Landesmuseum, die Kochsche Glocke zum Einschmelzen an die Gebrüder Ulrich.

Auch eine neue Turmuhr wurde installiert. Sie stammte vom Großuhrenfabrikanten Beyes aus Hildesheim und erhielt ein automatisches Schlagwerk, das „Betglockenwerk“. Der Preis belief sich inklusive Zifferblatt mit Minuten und Stunden auf 832 Mark, wobei Beyes die alte Uhr für 32 Mark in Zahlung nahm, so dass der Endpreis 800 Mark betrug.

Der Kantor Benecke verpflichtete sich, das Aufziehen des Uhrwerkes und das regelmäßige Ölen zu übernehmen. Ob die alte Uhr im Glockenhaus oder im westlichen Giebel gesessen hat, ist nicht mehr festzustellen.

Im ersten Weltkrieg wurde nach einem Artikel im Seesener Beobachter (1954) eine der beiden Glocken beschlagnahmt und abgenommen. Nach dem Krieg wurde an deren Stelle eine neue Glocke installiert.

1940 wurde der alte Kochsche Taufstein, der wahrscheinlich seit 1801 oder 1862/1864 als Gossenstein bei der Pfarre diente, von Pastor Gustav Wurr wieder in der Kirche aufgestellt. Einen passenden hölzernen Fuß fertigte Tischler Friedrich Börer an.

Am 20.04.1942 wurde die neue Glocke abgenommen und für Kriegszwecke eingeschmolzen. 1945, gegen Kriegsende, wurde - nach Aussagen von Frau Nicolai - die Turmkugel von amerikanischen Gewehreinschüssen durchlöchert.

1947 erhielt die Kirche eine neue zweite Glocke, gestiftet - wie bereits erwähnt - von zwei Familien aus Dankbarkeit für die Heimkehr ihrer Söhne. Diese Glocke weihte der Bischof bei dem 1.000-jährigen Jubiläum unseres Dorfes ein.

1956 fanden größere Reparaturarbeiten statt, wobei unter anderem Dach und Turmkugel instandgesetzt wurden. 1956 erbaute man die kleine Friedhofskapelle und weihte sie Ende 1959 feierlich ein. Friedrich Münnich hatte seit vielen Jahren daraufhingearbeitet. 1953 war sogar eine „Arbeitsgemeinschaft zur Errichtung einer Leichenhalle“ ins Leben gerufen worden.

Im Jahre 1962 wurde das Innere der Kirche renoviert. Die Arbeiten standen unter der Aufsicht des Kirchenvorstandes, des Restaurators Herzig und des Bauassessors Caspar vom Landeskirchenamt. Dabei wurde unsere Kirche elektrifiziert, wobei die Beleuchtung nach Aussage von S. Kleine gestiftet wurde. Auch eine neue (generalüberholte) elektrische Orgel, gebaut von Hans Heinr. Blöß, Orgelbaumeister aus Oker, wurde installiert. Die Überreste der alten Orgel von 1863 befinden sich noch auf dem Dachboden.

Beim Einbau der Zentralheizung (1958?) wurde ein Schornstein in die Altarwand eingebaut und der Fußboden erneuert (vorher lagen im Gang Steinplatten, während der Rest mit Holzdielen versehen war). Dabei wurde, um die Heizungsanlage zu installieren, auch die alte Kochsche Grabkammer geöffnet. Diese war seit dem Altarbau im Jahr 1801 nicht mehr betretbar gewesen. Die Überreste der Toten aus dem sieben Särgen wurden dabei in Beinsärge umgebettet und in einem abgemauerten Teil der Gruft würdig untergebracht. Der ehemalige Grufteingang dient seitdem als Kaltluftschacht, während der neue Durchbruch als Warmluftschacht verwendet wird. Der neue, jetzt außenliegende Grufteingang wurde dabei angelegt.

Als die Empore renoviert wurde, fanden sich im hölzernen Fußboden zwei alte Holzgemälde. Sie wurden restauriert und im Kirchenraum rechts und links der Eingangstür aufgehängt. Zu erwähnen ist noch, dass auch der Giebel ausgemauert wurde, nachdem man den schadhaften Ziegelbehang entfernt hatte.

1969 wurde dann ein neues elektrisches Uhrwerk (Korfhage und Söhne - Osnabrück) eingebaut. Das Werk der alten Uhr - sie musste jeden Tag einmal vom Küster aufgezogen werden - wurde zerschlagen, und nur noch das alte hölzerne Gehäuse im Turm ist als Zeuge übriggeblieben.

Im August 1996 wurde - aus freiwilligen Spenden (4.778,16 DM) - ein neues Zifferblatt angebracht. Das 117 Jahre alte Zifferblatt soll wahrscheinlich aufgehoben werden.

Der Kirchenvorplatz wurde - im Rahmen der Dorferneuerung - neu gestaltet. Die Straße wurde mit einer Pflasterung versehen, zwei Laternen sowie zwei Sitzbänke wurden installiert bzw. aufgestellt, ein Grünstreifen angekauft und die Straße bzw. der Kirchenvorplatz für den Verkehr gesperrt. Seit dem 15. Oktober 1998 beleuchten zwei Scheinwerfer die Kirche, ein seit langem gehegter Wunsch ist damit in Erfüllung gegangen.

 

 

Von den Pastoren

 

Zum Pfarrbezirk gehören Herrhausen, Dannhausen und Engelade. Es mussten in früheren Zeiten zuerst zwei, später dann drei Kirchengemeinden zusammengelegt werden, da eine Kirchengemeinde allein zur Versorgung des Pastors nicht ausreichte.

So kam 1571 die Gemeinde Engelade zu Herrhausen, 1653 folgte dann die Gemeinde Dannhausen. Der damalige Pastor Henricus Meyer hatte zwar 1652 die Gemeinde Münchehof, die er zwei Jahre hindurch mitverwaltet hatte, für einen Zusammenschluss vorgeschlagen, aber die Münchehöfer Einwohner setzten für sich einen eigenen Pastor durch.

Zu erwähnen sei noch, dass der Pfarrverband 1994 auseinandergerissen werden sollte, was aber am gemeinsamen Widerstand der drei Gemeinden scheiterte (u.a. Unterschriftensammlung).

Die Besetzung der Pfarrstelle erfolgt im Wechsel durch den Kirchenvorstand (Kirchenvorstände) und die Landeskirche.

 

Die Pastoren:

1542 - ?

Werner Bütemeister

1568 - 1584

Jonas Ka(h)le (Kahle war der erste lutherische Pastor in Herrhausen und Engelade)

1578 - 1580

Johannes Bütemeister, als Pastor adjunktus

1585 - 1617

Johannes Bütemeister d.J.

1618 - 1626

Johannes Hingt (Hengst)

1627 - 1632

Johannes Hachmeister

1632 - 1649

Conrad Essiger (Essegern)

1649 - 1664

Heinrich (Henricus) Meyer

1664 - 1687

Johannes Strubius (Struvius)

1687 - 1689

Christian Cämmerer

1689 - 1699

Christoph Naumann

1699 - 1752

Johann Burchard Dietel

1752 - 1775

Georg Friedrich Helmkampf

1776 - 1787

Wilhelm Caspar Lungershausen

1788 - 1801

„Ernst“ Georg Mitgau

1801 - 1816

Johann Heinrich „Wilhelm“ Meyer

1816 - 1833

Georg Theodor Peters

1833 - 1853

Johann Carl Theodor Jenner

1853 - 1872

Friedrich „Wilhelm“ Carl Ziegeler

1873 - 1883

„Carl“ August Ludwig Theodor Zerbst

1884 - 1888

Gottfried „Emil“ Heinrich Dietrich Hartung

1889 - 1896

„Levin“ Ludwig Eduard Emil Fricke

1897 - 1933

Gustav „Adolf“ Keck

1933 - 1935

„Erich“ Ernst Karl Eduard Pförtner, Vikar

1935 - 1936

„Rennig“ Ernst Georg Radkau, Vikar

1936 - 1937

Vacant (verwaltet von Pastor Gustav Giehl, Bornhausen)

1937 - 1956

Gustav Wurr

1956 - 1966

Kurt Jesse

1967 - 1971

„Robert“ Harro Eduard Mehlhose

1972 - 1994

Wolfgang Klages

1995 - 2001

Stefan Werrer, geb. Grobe

2002 - 2007

Sabine Beyer

seit 01.02.2008

Hans-Dieter Scheipner (Vakanz, Einführung in das Amt als Pfarrer am 17.05.2009)

 

 

Das Pfarrhaus

 

Ein Pfarrhaus existiert in Herrhausen schon so lange, wie es auch eine Kirche mit Pfarrstelle gibt.

Nach den schriftlichen Aufzeichnungen hatte das Dorf spätestens ab 1542 einen eigenen Pfarrer. Deswegen darf man annehmen, dass das erste Pfarrhaus zur gleichen Zeit erbaut wurde.

Zur Pfarrstelle gehörten 2 „Hour“ Land. Dazu wird 1572 geschrieben: „Das Pfarrlandt hatt der Pfarrer selber under den Pfluch

1652 wird berichtet: „Das Pfarrhaus allhier zu Herrhausen ist in diesen Kriegsjahren gantz von den kaiserlichen Drostischen Regiment neben andren Häusern gantz abgebrandt, zwar aufs fleissiges aufsgebawet, bis dato aber wegen dessen, daß die Engeladische Einwohner ihr gebührnis dazu nicht abstatten wollen, sondern soches bey dem fürst. Consistorio erst anbeklaget werden müßten, ist es nicht völlig aufgebawet ... Zu dieser Pfarr gehört ein geringer Meyerhoff, etwa von zwo Hufen landes.

1752 beklagt der damalige Pastor Helmkampf, dass das Pfarrhaus unbewohnbar sei und täglich der „Einfall“ drohe. Er wohnte danach zwei Jahre in Seesen, da er im Dorf keine Unterkunft fand. Vom Frühjahr 1753 bis zum Herbst 1754 wurde das Pfarrhaus dann von Grund auf neugebaut.

1757 steht hierzu im Landesvermessungsbericht: „Vom Pfarrgebäude. Solches ist nebst Scheune und Stallung gantz neu mit Ziegeln gedeckt und bedürftigen Schornstein versehen ... es bestehet die Pfarr Länderey aus einem Ackerhofe a 90 Morgen, davon sind außerdem 60 Morgen unter die Gemeinde gethan, die übrigen 30 hat (der) Pastor für sich behalten

Es wird auch noch ein wüster Pfarrackerhof von insgesamt 21 Morgen und 111 Ruten Land aufgeführt. Der wüste St. Vitus Halbspännerhof von insgesamt 46 Morgen und 64 Ruten an Ländereien verdient es, an dieser Stelle erwähnt zu werden, obwohl er nicht der Herrhäuser Kirche gehörte, sondern der Seesener St. Vitus-Kirche. Bevor Herrhausen eine eigene Kirche bekam, ging man nach Seesen zum Gottesdienst. Davon zeugt ein noch am Anfang dieses Jahrhunderts als „Kirchstieg“ bekannter Weg, der von Herrhausen nach Seesen führte. Auch spricht die Tatsache dafür, dass die St. Vitus-Kirche im Jahre 1770 den „Zehnten“ von 212 Morgen Land bekam und die Herrhäuser Kirche nur den von 18 Morgen.

Doch kommen wir wieder zum Pfarrhaus zurück. Es hatte im Jahre 1768 eine Größe von 15 Verbind, 50 Fuß Länge und 40 Fuß Breite (14,25 m x 11,40 m), die Scheune, Stallung und Wagenscheune war 6 Verbind groß, hatte eine Länge von 50 Fuß und eine Breite von 30 Fuß (14,25 m x 8,55 m). Das Haus wurde zuerst im Brandkataster mit der Hausnummer 35 geführt, später aber erhielt die Pfarre die Nummer 34.

Nach dem Brandkataster von 1799 wurde im Jahr 1813 ein totaler Umbau aufgeführt. Die Größen änderten sich bei beiden Gebäuden. Das Pfarrhaus hatte nun eine Größe von Verbind und eine Fläche von 14,67 m x 8,84 m). Scheune, Stallung und Wagenscheune 12 Verbind und 17,10 m x 9,12 m). Die Versicherungssumme erhöhte sich von 650 auf 1.500 Reichstaler.

Im Brandkataster von 1821 ist für das 1826 ein weiterer Umbau angegeben. Wieder ändere sich die Fläche auf 14,54 m x 11,97 m, wobei aber die Versicherungssumme auf 950 Reichstaler sank.

1879 schreibt der damalige Pastor Zerbst: „... Die Pfarrstelle ist eine so schlecht fundirte, daß 825 M barer Zuschuß aus dem Klosterundstudienfonds jährlich gezahlt werden müssen, damit das Normaleinkommen von 2.100 M erreicht wird. Uebrigens besitzt die Pfarre ein gutes Wohnhaus und hinreichende Wirtschaftsgebäude.“

1966 wurde das alte Pfarrhaus an den Friseur Horst Podbielski (Hauptstr. 11) verkauft. Dafür errichtete man ein neues Pfarrhaus mit Gemeinderaum (Richtfest am 31.03.1967), das im November 1967 bezogen wurde.

 

 

Das Pfarrwitwenhaus

 

Das Pfarrwitwenhaus diente als Altersruhesitz des Pfarrers und dessen Familie und - wie der Name schon besagt - als Wohnsitz der Witwe beim Tod des Pfarrers.

1652 schreibt hierzu der Pastor Henricus Meyer: „Ein Witwenhaus ist allhier bishero noch nicht gewesen, itzo aber wird, aufs antreiben des Herrn Obristen allhier, nebest eines Schulmeisters Hause, eines aufgebawet.“

Das erste Pfarrwitwenhaus stand in der Nähe der Kirche und war in der Karte von 1757 als Haus Nr. 5 eingetragen. Dazusteht im Bericht der Generallandesvermessung Folgendes: „Pfarr Witwenhaus und Schul Hauß sind unter einem Strohdache und ist in einem gar zu gutem Stande, und weil die Kirche, von denen darin wohnenden Häußlingen, die Miehte einnimmt, und selbige auch die Baukosten (...) und gibt die Gemeinde nichts, ohne Schornstein. Scheune und Stallungen sind im Hause.“

Das Pfarrwitwenhaus diente - wenn es leer stand - als Mietshaus und finanzierte sch damit selbst. 1757 bewohnte es z.B. der Schuster Johann Besener. Ferner wird erwähnt, dass es nur über einen kleinen Garten von 18 Ruten verfügte, der am Hause lag. Wenn eine Witwe das Haus bezog, wurde Pfarrland an das Pfarrwitwenhaus abgegeben; auch das Holzrecht galt nur bei einer Witwe.

Für die Instandsetzung hatten die drei Pfarrgemeinden zu sorgen. Die entstehenden Kosten wurden aufgeteilt: Herrhausen 2/5, Engelade 2/5, Dannhausen 1/5. 1767 hatte das Pfarrwitwenhaus eine Größe von 5 Verbind und 7,98 m x 8,55 m Fläche.

1777 wurde das alte Gebäude abgerissen, das Gelände der Schule zugeschlagen. Seitdem diente das ehemalige Gemeindebackhaus, das um- oder neugebaut worden war, als Pfarrwitwenhaus, und zwar mit der Hausnummer 20 vom Gemeindebackhaus.

1777 steht dazu im Brandkataster: „Das Pfarrwitwenhaus, das Wohnhaus und Stallung 10 Verbind, 11,97 m x 7,70 m.“

Im Jahr 1799 werden dieselben Maße genannt, doch 1813 wird das Haus ausgebaut auf 12,26 m . 7,48). Außerdem entsteht im gleichen Jahr ein neues Stallgebäude.

Im Brandkataster von 1856 wird es zunächst noch als Pfarrwitwenhaus geführt. 1858 kaufte der Böttchermeister Heinrich Sydekum das Gebäude für 1.200 Mark Später befand sich dort die Schlachterei der Familie Sydekum - Zum Bahnhof 3.

Das aus dem Verkauf erworbene Geld wurde als Pfarrwitwenfonds angelegt. Hierzu schreibt 1879 der damalige Pastor Dr. Carl Zerbst: „... Dagegen ist das Pfarrwitwenthum im Besitz von 88,34 AR und 8253,87 M Kapitalien und wird dieses Fonds unter günstigen Umständen so wachsen, das er zu kirchlichen Zwecken der Parochie verwandt werden kann; nachdem das Pfarrwitwenhaus verkauft ist.

Der Pfarrwitwenfonds diente zur Versorgung der Angehörigen beim Tode des Pfarrers. Die Rente betrug 40 Thaler. Dazu kamen dann noch jährliche 10 Thaler für den Einkauf von Brennholz (Holzrente). Falls das Kapital für die Versorgung der Pfarrerswitwe nicht ausreichen würde, sollten die drei Pfarrgemeinde das fehlende Geld dazugeben (Herrhausen 2/5, Engelade 2/5, Dannahusen 1/5).

 

 

Der Kirchenvorstand und die Bediensteten

 

Der Kirchenvorstand ist das Herz jeder Kirchengemeinde, deswegen sei er hier ab 1962 genannt. Für frühere Vorstandsarbeit nenne ich exemplarisch die 1891 gewählten Kirchenvorstandsmitglieder: Vorsteher: Fr. Probst, Schmiedemeister Specht und Gastwirt Fr. Isebeck. Doch auch schon davor gab es einen Kirchenvorstand, denn Andreas Weinhausen war bereits 1882 als langjähriger Mitarbeiter zum Ehrenmitglied ernannt worden.

1962

Otto Rettstadt, Wilhelm Bornemann, Lotti Rochel, Alwine Koch, Walter Dröge, Gerhard Weinhausen, Otto Jacobs und Eberhard Junge.

1966

Eberhard Junge, Wilhelm Bornemann, Alwine Koch, Gerhard Weinhausen, Otto Jacobs sen., Helene Beuse, Otto Rettstadt und Walter Schröder.

1972

O. Jacobs, E. Junge, G. Kropp, H. Schmalstieg, W. Schröder, A. Sukowski, S. Thudt und G. Weinhausen.

1978

H. Dittmann, F. Lübking, H. Schmalstieg, A. Sukowski und S. Thudt.

1984

Die Damen Niemann und Thudt, die Herren G. Uhde, R. Lampe, W. Schröder und H. Dittmann.

1988

Rolf Lampe, Horst Dittmann, Walter Schröder, Hildegard Rudek, Rolf Perger und Helga Röttger.

1994

Rolf Lampe, Ulrike Kliem, Rolf Perger, Edith Drücker, Horst Dittmann, Walter Schröder.

2000

Vera Meißner, Christian Appun, Annemarie Adams, Uwe Kloss, Jürgen Decker, Horst Reinhardt

Der jeweilige Pastor gehörte und gehört natürlich mit zum Kirchenvorstand.

Als Angestellte sind und waren tätig der Kirchenvogt Horst Dittmann (seit 1979 - davor Elfriede Dittmann ab 1970, Wilhelm Appun ab 1959 und davor Herr Langwitz), die Organistin Elfriede Dittmann (seit 1967 - davor Beate Jesse/Bendrat ab 1956, Herr Hennebach aus Münchehof ab 1951 und davor Lehrer Adam), die Rechnungsführerin Annette Dittmann (seit 1999 - davor Kriemhild Weikert ab 1991, Ulrike Kliem ab 1985, Elfriede Schmalstieg ab 1968 und vorher Wilhelm Bornemann) und die Friedhofsvögtin Carmen Kappei seit 1998 (davor Frau Schmock ab 1986 - davor Andreas Thiel ab 1969 und vorher Otto Gaw).

 

 

 

 

 

Geschichte des Ortes Herrhausen

Bibelzitate (siehe Quiz):
Aus: Jesu Zeugnis über den Täufer
Wer Ohren hat zu hören, der höre
(Mastthäus 11,15)